
Save the Cat! Beat für Beat: Wie aus einer Idee eine Struktur wird
Save the Cat!: The Last Book on Screenwriting You'll Ever Need · Von Blake Snyder
Struktur beginnt vor Seite eins: Lässt sich die Idee nicht in einem Satz sagen und über die Seiten verteilen, halten auch gute Szenen sie nicht zusammen.
Lesesprache: Deutsch
Verwendete Ausgabe: Englisch · Ausgabe in der Originalsprache
Veröffentlichung in dieser Sprache: Veröffentlichte Übersetzung nachgewiesen
Ausgaben und Quellen
- Originalsprache
- Englisch
- Verwendete Ausgabe
- Save the Cat!: The Last Book on Screenwriting You'll Ever Need · Englisch · Ausgabe in der Originalsprache
- Verlag
- Michael Wiese Productions
- Erscheinungsjahr
- 2005
- ISBN
- 9781932907001
Analyse und Zitate beruhen auf der oben genannten Ausgabe. Der folgende Nachweis einer Übersetzung bezeichnet nicht automatisch die hier verwendete Ausgabe.
Veröffentlichung in dieser Sprache
Veröffentlichte Übersetzung nachgewiesen
Rette die Katze! Das ultimative Buch übers Drehbuchschreiben
Geprüft am
Rette die Katze! Das ultimative Buch übers Drehbuchschreiben
Autorenhaus Verlag · 2015 · ISBN 9783866711280 · Übersetzung Kerstin Winter
Über dieses Buch
- Erstveröffentlichung
- 2005 · Michael Wiese Productions
- Aufbau
- Acht Kapitel, dazu ein Vorwort, eine Einleitung und ein Glossar
- Markenzeichen
- Das Blake Snyder Beat Sheet: fünfzehn Beats auf einer einzigen Seite
- Themen
- Drehbuchschreiben: Idee, Genre, Held, Struktur, Überarbeitung und Vermarktung
- Besonders geeignet für
- Autoren, die eine Prämisse haben, sie aber nicht zu einem tragfähigen Entwurf zusammenfügen können
Warum es wichtig ist
Save the Cat! entstand nicht im Hörsaal, sondern aus Snyders Berufsleben als Drehbuchautor, der auf eigene Rechnung schrieb und seine Drehbücher anschließend verkaufte, und so liest es sich auch: locker, marktbewusst und geordnet nach den Problemen, mit denen Autoren tatsächlich an einem Entwurf hängen. Sein bleibender Beitrag ist das Blake Snyder Beat Sheet, ein einseitiges Formular mit fünfzehn benannten Beats und ihren Seitenpositionen, das einer ganzen Generation von Autoren ein gemeinsames Vokabular dafür gab, wo eine Geschichte sich wendet. Gerade diese Genauigkeit zieht auch Kritik auf sich: Positionen, die als Proportionen gemeint sind, werden leicht als Formel gelesen, und die Beispiele des Buches stammen ganz überwiegend aus dem amerikanischen Mainstreamkino seiner Zeit.
Quellen
5-Minuten-Überblick
Acht Kapitel von der Idee in einem Satz bis zum fertigen Drehbuch und eine Seite, die den Rest des Buches überdauert hat
Kernthese
Save the Cat! vertritt die These, dass die meisten Drehbücher scheitern, bevor sie geschrieben sind, weil die Idee nie geprüft wurde. Snyders Reihenfolge führt von der Idee über das Genre und den Helden zur Struktur: eine Logline, die Konflikt und ein Publikum verspricht; ein vertrauter Geschichtentyp, der zeigt, was die Zuschauer bereits erwarten; ein Held, der dieses Versprechen schärfer macht; und erst danach die fünfzehn Beats des Blake Snyder Beat Sheets, angelegt als Proportionen eines Drehbuchs von rund 110 Seiten. Die späteren Kapitel wenden dieselbe Logik auf einen fertigen Entwurf an und fragen, was nicht stimmt, wenn technisch alles vorhanden ist, aber nichts zieht.
Der Aufbau des Buches
- 01
Acht Kapitel, vom Satz zum Verkauf
Das Buch entwickelt ohne Gliederung in Teile einen durchgehenden Gedankengang: die Idee klären, sie einem Typ zuordnen, einen Helden besetzen, der sie schärft, die Struktur in Beats zerlegen, sie greifbar aufbauen, eine Handvoll hart erarbeiteter Regeln befolgen, reparieren, was nicht hält, und erst dann auf den Markt gehen.
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Acht Kapitel, vom Satz zum Verkauf
- 01
Worum geht es?
Vor dem Handwerk steht die Verkäuflichkeit: was eine Logline enthalten muss, damit ein Zuhörer den Film sehen will, und warum eine Idee, die sich nicht in einem Satz erzählen lässt, noch nicht reif zum Schreiben ist.
- 02
Gib mir dasselbe … nur anders!
Schlägt zehn Geschichtentypen vor, denen sich jeder Film zuordnen lässt, damit Autoren sehen, was das Publikum von dieser Art Geschichte bereits erwartet und wo noch eine frische Wendung möglich ist.
- 03
Es geht um einen Typen, der …
Verlagert den Blick von der Prämisse auf die Hauptfigur: Der Held soll so angepasst werden, dass er der Idee dient, nicht umgekehrt, und die Logline bleibt die Konstante, an der sich beide messen lassen müssen.
- 04
Ran an die Beats!
Stellt das Blake Snyder Beat Sheet vor: fünfzehn benannte Beats mit Seitenpositionen für ein Drehbuch von rund 110 Seiten, gedacht als eine Seite, die man vor dem ersten Entwurf ausfüllt, und anschließend Beat für Beat an „Miss Undercover“ (Miss Congeniality) vorgeführt.
- 05
Das perfekte Biest bauen
Macht aus dem Beat Sheet etwas Greifbares: eine Pinnwand mit vier Reihen und vierzig Karten. So werden Tempoprobleme als Lücken und Überladungen sichtbar statt als vages Unbehagen.
- 06
Die unumstößlichen Gesetze der Drehbuchphysik
Eine Reihe benannter Regeln aus der Praxis, darunter jene, der das Buch seinen Titel verdankt, und der Bund des Bogens (The Covenant of the Arc); jede erklärt einen bestimmten Weg, auf dem Drehbücher ihr Publikum verlieren.
- 07
Was stimmt an diesem Bild nicht?
Benannte Prüfungen für einen fertigen Entwurf, der nicht funktioniert, angefangen bei passiven Helden, Dialogen, die den Plot erzählen, und Gegenspielern, die zu schwach sind, um Veränderung zu erzwingen.
- 08
Letzte Aufblende
Verlässt die Seite und wendet sich dem Markt zu: wie man auf die Branche zugeht, was man vermeiden sollte und warum langfristige Positionierung mehr zählt als jeder einzelne Verkauf.
Sätze zum Wiederlesen
Inhaltsverzeichnis
Die meisten Ratschläge zur Struktur kommen zu spät. Sie haben eine Prämisse, an die Sie glauben, Sie haben vierzig oder sechzig Seiten geschrieben, und irgendetwas stimmt nicht, ohne dass es sich benennen ließe: Die Szenen funktionieren jede für sich, der Dialog ist in Ordnung, und trotzdem zieht das Ganze nicht. Meist macht man sich dann auf die Suche nach der kaputten Szene.
Snyder schaut stattdessen weiter zurück, auf die Idee selbst, und fragt, ob sie überhaupt je geprüft wurde. Diese Umstellung macht das Buch auch für Autoren nützlich, denen seine Selbstgewissheit missfällt: Es behandelt sehr viele Probleme im Entwurf als Probleme der Prämisse, die erst auf Seite sechzig sichtbar wurden.
Der Satz, den Ihr Drehbuch überstehen muss
Vor dem Handwerk, vor der Struktur stellt Snyder eine kommerzielle Frage: Können Sie in einem Satz sagen, worum es geht, und zwar jemandem, der keinen Grund hat, sich dafür zu interessieren? Scheitern an dieser Stelle wertet er als Ausschlusskriterium, nicht als lästiges Vermarktungsproblem. Eine Idee, die sich nicht in einem Satz erzählen lässt, so argumentiert er, ist noch nicht reif zum Schreiben.
Snyder verlangt von diesem Satz über die bloße Beschreibung hinaus zwei Dinge. Beim ersten legt er sich ohne jede Einschränkung fest: „Das Allererste, was eine gute Logline haben muss, ihr mit Abstand wichtigstes Element, ist: Ironie.“ Ironie meint hier einen Widerspruch, der in der Situation selbst steckt, etwa den Polizisten, der im Urlaub mitten in eine Belagerung gerät; ohne einen solchen Widerspruch fehlt der Prämisse der Antrieb. Das zweite ist ein Bild: Wer zuhört, sollte Szenen vor sich sehen, die Sie noch gar nicht geschrieben haben. Eine Idee, die man Ihnen nur mit Ihren eigenen Worten wiedergeben kann, hat sich in keinem anderen Kopf entfaltet.
Außerdem muss der Satz drei Dinge benennen: wer der Held ist, was sich ihm entgegenstellt und was auf dem Spiel steht. Fehlt eines davon, erfahren Sie, welche Art von Problem Sie haben. Eine Prämisse ohne Gegenkraft ist oft eher eine Situation als eine Geschichte; eine, bei der nichts auf dem Spiel steht, ist in der Regel eine Figurenskizze. Beide können sechzig Seiten verschlingen, bevor die Lücke sichtbar wird.
Snyder will, dass die Logline im Spiel bleibt, sobald das Schreiben begonnen hat. Sie liegt weiter auf dem Schreibtisch, als Konstante, an der sich der Entwurf messen lassen muss. Schweift die Geschichte ab, können Sie so erkennen, ob Sie gerade etwas entdecken oder den Faden verlieren.
Quellenhinweis: Kapitel 1, „Worum geht es?“, zur Logline und ihren Anforderungen, darunter die Ironie (Seite 6) und die Forderung, dass im Satz ein ganzer Film sichtbar sein muss (Seite 7); Kapitel 3, „Es geht um einen Typen, der …“, zum Helden, der der Idee dient, und zum Abschnitt „Sklave der Logline“ (Slave to the Logline, Seite 63). Dass dies hier als ein einziger Test vor dem Schreiben dargestellt wird, ist eine redaktionelle Anordnung von Muses.
Dasselbe, nur anders
Sobald der Satz hält, lautet die nächste Frage, was ein Publikum bereits von ihm erwartet. Snyder ordnet jeden Film einem von zehn Geschichtentypen zu, die er selbst benannt hat: „Monster im Haus“ (Monster in the House), „Typ mit Problem“ (Dude with a Problem), „Übergangsriten“ (Rites of Passage), „Buddy-Liebe“ (Buddy Love) und sechs weitere. Die Kategorien selbst sind weniger wichtig als der Gebrauch, den er von ihnen macht.
Am nützlichsten sind die Typen als Karte dessen, was ein Publikum mitbringt. Zuschauer kennen sie schon, bevor der Film beginnt, und bringen Erwartungen mit, die Sie entweder erfüllen oder absichtlich brechen. Wer seinen Typ kennt, weiß, auf welche Beats die Zuschauer warten, und damit auch, wo eine echte Überraschung noch möglich ist und wo eine „Überraschung“ so wirkt, als sei der Geschichte etwas missglückt.
Snyder stellt breite Filmkenntnis über Originalität. Was in Ihrer Art von Geschichte konventionell ist, können Sie erst beurteilen, wenn Sie genug Filme dieser Art gesehen haben, und zwar, wie er hinzufügt, rückwärts durch ihre Ahnenreihe, nicht nur quer durch die letzten paar Jahre. Neuere Filme zeigen Ihnen die aktuelle Oberfläche; die Ahnenreihe zeigt, welche Entscheidungen einmal Neuerungen waren und welche längst zum Standard erstarrt sind.
Quellenhinweis: Kapitel 2, „Gib mir dasselbe … nur anders!“, zu den zehn Geschichtentypen und zur Tiefe der Filmkenntnis, die die Methode voraussetzt (Seite 22). Die zehn Typennamen stammen von Snyder selbst. Genre als Karte der Publikumserwartung statt als Klassifikationsschema zu verstehen, ist eine Lesart von Muses.
Fünfzehn Beats auf einer einzigen Seite
Der bekannteste Teil des Buches ist ein Formular. Snyders Beat Sheet ist eine einzige Seite, die er vor dem ersten Entwurf ausfüllt, nach dem Grundsatz: Ein Beat, den Sie nicht in ein, zwei Sätzen beschreiben können, ist ein Beat, den Sie noch nicht durchdacht haben. Später im Kapitel überträgt er einen fertigen Film, Miss Undercover (Miss Congeniality), Beat für Beat auf das Formular.
Die fünfzehn Beats mit den Seitenpositionen, wie sie im Buch abgedruckt sind:
| Nr. | Beat | Seite |
|---|---|---|
| 1 | Eröffnungsbild (Opening Image) | 1 |
| 2 | Themenaussage (Theme Stated) | 5 |
| 3 | Einführung (Set-up) | 1–10 |
| 4 | Katalysator (Catalyst) | 12 |
| 5 | Debatte (Debate) | 12–25 |
| 6 | Übergang zu Akt zwei (Break into Two) | 25 |
| 7 | B-Geschichte (B Story) | 30 |
| 8 | Spaß und Spiele (Fun and Games) | 30–55 |
| 9 | Mittelpunkt (Midpoint) | 55 |
| 10 | Die Bösen rücken näher (Bad Guys Close In) | 55–75 |
| 11 | Alles ist verloren (All Is Lost) | 75 |
| 12 | Dunkle Nacht der Seele (Dark Night of the Soul) | 75–85 |
| 13 | Übergang zu Akt drei (Break into Three) | 85 |
| 14 | Finale (Finale) | 85–110 |
| 15 | Schlussbild (Final Image) | 110 |
Die Seitenzahlen sind der Teil, der am häufigsten zitiert und am häufigsten missverstanden wird. Snyder bezieht sie auf ein Drehbuch von rund 110 Seiten und sagt ausdrücklich, dass längere Dramen dieselben Proportionen einhalten. Es handelt sich also um Verhältnisse, ausgedrückt in der Einheit, in der er arbeitete, nicht um Marken, die ein Drehbuch treffen muss. Als Proportionen gelesen, beschreibt das Formular ein Tempo der Veränderung: wie lange eine Geschichte zögern darf, bevor sie sich festlegt, an welchem Punkt der Boden sich verschieben sollte, wie spät der Tiefpunkt kommen darf, damit noch Raum bleibt, sich wieder herauszuarbeiten.
Als Seitenzahlen gelesen, wird es zu der Formel, gegen die sich seine Kritiker wenden. Die Einschränkung steht im Buch; der Ruf der Starrheit stammt größtenteils von Lesern, die die Tabelle behalten und den Satz danach weggelassen haben.
Zwei Beats verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil sie tragend sind und nicht beiläufig. Das Eröffnungsbild hat einen Vertrag zu erfüllen: Es legt Ton und Größenordnung fest, bevor irgendeine Handlung einsetzt. Snyder stellt ihm das Schlussbild gegenüber, sodass beide ein Vorher und Nachher derselben Welt ergeben. Und das Thema, das früh und meist von jemand anderem als dem Helden ausgesprochen wird, hat seinen Platz, weil Snyder ein Drehbuch für eine Argumentation hält: eine These darüber, wie man leben soll, die der Rest des Films auf die Probe stellt. Das ist ein stärkerer Anspruch, als es zunächst scheint, und er erklärt, warum Snyder diese These schon bis Seite fünf auf dem Tisch haben will.
Quellenhinweis: Kapitel 4, „Ran an die Beats!“. Die englischen Namen der Beats und die Seitenpositionen sind dem Formular entnommen, wie es auf Seite 70 abgedruckt ist; die deutschen Bezeichnungen hat Muses übersetzt. Die Aussage des Autors selbst, dass es sich um Proportionen eines Drehbuchs von rund 110 Seiten handelt, die auch für längere Dramen gelten, steht auf Seite 71. Dort weist er „Fun and Games“ als seine eigene Bezeichnung für diesen Beat aus. Das Paar aus Eröffnungs- und Schlussbild und die These vom Drehbuch als Argumentation finden sich auf den Seiten 72–73. Anschließend führt das Kapitel das vollständige Formular an Miss Undercover durch (Seiten 92–95).
Struktur zum Anfassen
Danach überträgt Snyder das Beat Sheet auf eine Pinnwand (The Board): vier Reihen, eine pro Aktabschnitt, und vierzig Karteikarten. Gerade die Beschränkung ist der Sinn der Sache. Vierzig Karten sind weniger, als die meisten Autoren erwarten, und der Mangel erzwingt Entscheidungen darüber, was hineingehört.
Was die Pinnwand leistet, ist nicht Ordnung, sondern Offenlegung. Eine Szene, die sich in der Vorstellung gewaltig anfühlte, wird zu einer Karte unter vierzig, und die Sequenz, die Ihrer Annahme nach zwanzig Minuten tragen sollte, entpuppt sich als drei Karten mit einer Lücke dahinter. Probleme, die man beim Lesen kaum spürt, etwa ein überladener erster Akt oder ein dritter Akt, der immer dünner wird, zeigen sich als räumliche Verteilung.
Außerdem legt er eine Arbeitsreihenfolge fest: Zuerst werden die Angelpunkte angepinnt, danach folgt das verbindende Material. Struktur vor Textur, also dieselbe Rangfolge, die schon im Beat Sheet steckt.
Quellenhinweis: Kapitel 5, „Das perfekte Biest bauen“, zur Pinnwand und zur Grenze von vierzig Karten, zur ernüchternden Wirkung ausgelegter Szenen (Seite 104) und zur Anweisung, die großen Wendungen zuerst zu platzieren (Seite 105).
Warum sich gerade der Gegenspieler nicht verändert
Kapitel 6 versammelt Regeln, die Snyder nach den Situationen benennt, aus denen sie entstanden sind. Eine davon verdient es, gesondert betrachtet zu werden, weil sie regelmäßig in einer verkürzten Form zitiert wird, die ihren Sinn umkehrt.
Der „Bund des Bogens“ (The Covenant of the Arc) besagt, dass sich jede Figur im Lauf der Geschichte verändern muss, und nimmt gleich darauf den Gegenspieler aus. In dieser Ausnahme steckt die Idee. Veränderung ist keine Eigenschaft, die gleichmäßig über das Ensemble verteilt wird; gerade die Weigerung, sich zu verändern, kennzeichnet die Gegenseite. Ein Bösewicht, der dazulernt, wird zu etwas anderem, und Nebenfiguren, die starr bleiben, während der Held sich bewegt, wirken wie Kulisse.
Eine zweite Regel aus demselben Kapitel ist nüchterner und öfter von Nutzen. Snyder braucht dafür im Original nur fünf Wörter: „Gefahr muss gegenwärtige Gefahr sein.“ Außerdem will er, dass dem Publikum von Anfang an gezeigt wird, was die Bedrohung kosten würde. Eine Bedrohung, deren Preis nur beschrieben wird, erzeugt keine Spannung, und das erklärt sehr viele zweite Akte, die trotz gefährlicher Prämisse schlaff wirken.
Quellenhinweis: Kapitel 6, „Die unumstößlichen Gesetze der Drehbuchphysik“, zum Bund des Bogens und seiner ausdrücklichen Ausnahme für Gegenspieler sowie zur gegenwärtigen im Unterschied zur bloß berichteten Gefahr (beides Seite 134). Die Ausnahme als Mittel der Figurenzeichnung statt als Auslassung zu lesen, ist eine Interpretation von Muses.
Der Held, der nur zusieht
In Kapitel 7 wendet Snyder die Methode auf ein fertiges Drehbuch an, und seine zentrale Diagnose ist für alle, die mitten in einer Überarbeitung feststecken, allein schon den Kaufpreis des Buches wert.
Der Fehler ist die passive Hauptfigur. Er ist schwer zu erkennen, weil alles andere stimmen kann: Jeder Beat sitzt, die Handlung kommt planmäßig voran, die Struktur ist solide. Verloren gegangen ist die Kausalität. Die Ereignisse geschehen in der richtigen Reihenfolge, und die Hauptfigur ist dabei, ohne eines davon herbeizuführen. Snyder formuliert die Abhilfe als Gesetz: „Der Held muss proaktiv sein.“ Besser funktioniert sie allerdings als Frage an jeder Wendung: Hat Ihre Hauptfigur das gewählt, oder ist es ihr bloß zugestoßen?
Jeder Prüfung in diesem Kapitel gibt Snyder einen Namen: „Der Held geht voran“ (The Hero Leads), „Den Plot aussprechen“ (Talking the Plot), „Mach den Bösewicht böser“ (Make the Bad Guy Badder) und sechs weitere. Die ersten drei betreffen die Handlungsmacht des Helden, Dialog, der den Plot erzählt, den die Szene eigentlich zeigen müsste, und einen Gegenspieler, der zu schwach ist, um Veränderung zu erzwingen. Es sind grobe Werkzeuge, aber genau die Sorte grober Werkzeuge, die Probleme findet, über die ein sorgfältiges Wiederlesen höflich hinweggeht.
Wendet man dieselben Prüfungen auf jeden Entwurf an, statt sie für den einen aufzuheben, der ins Stocken geraten ist, werden sie zu einer wiederholbaren Überarbeitungsschleife (englischer Artikel) statt zu einer Rettungsaktion.
Quellenhinweis: Kapitel 7, „Was stimmt an diesem Bild nicht?“, zum untätigen Helden und zum ausdrücklich formulierten Gesetz, dass der Held proaktiv sein muss (Seite 145), sowie zu den benannten Prüfungen des Kapitels, von „Der Held geht voran“ bis „Ist es urmenschlich?“ (Is It Primal?).
Wo die Methode endet
Die Grenzen des Buches folgen aus seiner Herkunft, und es ist fairer, sie zu benennen, als so zu tun, als sei die Methode universell.
Geschrieben hat es ein Praktiker, der Drehbücher auf eigene Rechnung schrieb und verkaufte, und zwar für den amerikanischen Studiomarkt der frühen 2000er-Jahre, auf den es zugeschnitten ist: Ideen, die sich pitchen lassen, Strukturen, die sich schnell lesen, Filme, die ein wiedererkennbares Erlebnis versprechen. Das letzte Kapitel, in dem es um den Weg zu Agenten und den Aufbau eines Rufs geht, ist der am stärksten veraltete Teil. Seine Taktiken gehören zu einem Markt für solche Drehbücher, der sich weitgehend geschlossen hat, auch wenn sein Gedanke zu wiederholten Begegnungen besser gealtert ist.
Die tiefere Grenze betrifft die Reichweite. Die Methode setzt eine Geschichte voraus, die vom äußeren Ziel einer Hauptfigur angetrieben wird, und genau dort ist ihre Diagnose am schärfsten. Wendet man die fünfzehn Beats auf Werke an, die von Stimme, Atmosphäre, Argumentation oder einem Ensemble ohne zentrale Hauptfigur getragen werden, liefern sie zwar weiterhin eine Antwort, doch diese besagt womöglich nur, dass das Werk nicht von der Art ist, die das Formular beschreibt. Ein Roman, dessen Antrieb das Bewusstsein eines Erzählers ist, kann an jedem Beat scheitern und trotzdem vollkommen stimmig sein.
Richtig eingesetzt, ist die Methode also ein Diagnoseinstrument und kein Bauplan. Sie ist ungewöhnlich gut darin, eine bestimmte Klasse von Problemen aufzuspüren: eine Prämisse, die nie geprüft wurde, eine Mitte ohne steigenden Preis, eine Hauptfigur, die nicht handelt. Legen Sie das Formular an ein Drehbuch an, das nicht funktioniert, und es zeigt Ihnen oft, wo es hakt. Behandeln Sie es als Liste von Anforderungen, die vorab zu erfüllen sind, und Sie erhalten die Formel, die seine Kritiker beschreiben – und genau die verlangt das Buch, liest man den Absatz zu Ende, gar nicht.
Quellenhinweis: Kapitel 8, „Letzte Aufblende“, zu Vermarktung und langfristiger Positionierung (Seite 169). Was hier über die Reichweite der Methode, ihre veralteten Marktratschläge und ihre Eignung als Diagnose statt als Bauplan gesagt wird, sind redaktionelle Einschätzungen von Muses, keine Aussagen des Autors.
Quellen und Hinweis zur verwendeten Ausgabe
- Blake Snyder, Save the Cat!: The Last Book on Screenwriting You'll Ever Need, Michael Wiese Productions, 2005, ISBN
9781932907001(LCCN 2004009134). Zitiert wird nach Kapiteln und nach den gedruckten Seitenzahlen dieser englischen Ausgabe. - Buchseite des Verlags Michael Wiese Productions: Verlagsangaben zum Titel.
- Katalogeintrag der Library of Congress: Katalogdaten, wie sie im Buch abgedruckt sind.
- Ausgabeneintrag bei Open Library: Abgleich der Ausgabendaten.
Die deutschen Kapitelüberschriften dieser Seite wurden von Muses aus dem Englischen übersetzt; sie sind keine Zitate aus dem Inhaltsverzeichnis einer veröffentlichten deutschen Ausgabe. Auch die zitierten Sätze hat Muses selbst aus dem englischen Original übersetzt.