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Braunes Cover der E-Book-Ausgabe von Anchor Books mit dem weißen Titel Bird by Bird und Anne Lamotts Namen darunter
Schreiben

Bird by Bird: Mit einem überschaubaren Stück anfangen

Bird by Bird: Some Instructions on Writing and Life · Von Anne Lamott

Schreib den Teil, den du vor dir siehst, lass einer Rohfassung Zeit, sich zu entwickeln, und nimm die Hilfe anderer an.

Lesesprache: Deutsch

Verwendete Ausgabe: Englisch · Ausgabe in der Originalsprache

Veröffentlichung in dieser Sprache: Veröffentlichung noch nicht geprüft

Ausgaben und Quellen
Originalsprache
Englisch
Verwendete Ausgabe
Bird by Bird: Some Instructions on Writing and Life · Englisch · Ausgabe in der Originalsprache
Verlag
Anchor Books
Erscheinungsjahr
2007
ISBN
9780307424983

Analyse und Zitate beruhen auf der oben genannten Ausgabe. Der folgende Nachweis einer Übersetzung bezeichnet nicht automatisch die hier verwendete Ausgabe.

Veröffentlichung in dieser Sprache

Veröffentlichung noch nicht geprüft

Die bibliografischen Angaben zu einer deutschsprachigen Buchübersetzung sind hier noch nicht verifiziert. Daraus folgt nicht, dass keine solche Ausgabe existiert. Kapitelüberschriften und Auszüge hat Muses aus der gemeinsamen englischen Textgrundlage übersetzt; sie wurden keiner veröffentlichten deutschen Übersetzung entnommen.

Geprüft am

    Über dieses Buch

    Erstmals erschienen
    1994 · Pantheon Books
    Verwendete digitale Ausgabe
    E-Book von 2007 · eISBN 9780307424983
    Zugrunde liegende Textausgabe
    Erste Ausgabe bei Anchor Books · Oktober 1995
    Form
    Schreibanleitung und Essays über ein Leben mit dem Schreiben
    Aufbau
    Einleitung und fünf Teile mit insgesamt 29 betitelten Kapiteln
    Originalsprache
    Englisch

    Warum es wichtig ist

    Lamott verbindet das Entwerfen und Überarbeiten mit den Zweifeln, dem Neid, der Hilfe und den Hoffnungen, die diese Arbeit begleiten. Der kleine Bilderrahmen, das sich entwickelnde Polaroid und der lärmende innere Radiosender machen diese Kräfte anschaulich. Besonders hilfreich ist das Buch als Begleitung durch eine schwierige Rohfassung. Wer eine detaillierte Anleitung zur Strukturplanung oder zum beruflichen Weg sucht, braucht ergänzende Quellen.

    Anerkennung und Reichweite

    • Penguin Random House führt Bird by Bird als New-York-Times-Bestseller.

    Quellen

    5-Minuten-Überblick

    Dreißig Lesestationen durch Einleitung und fünf Teile: Worte aufs Papier bringen, die Geschichte entdecken, mit Zweifeln leben, Hilfe finden und sich der Veröffentlichung stellen.

    Kernthese

    Lamott beginnt mit einem Bilderrahmen von einem Zoll Größe: Schreib den kleinen Ausschnitt, den du sehen kannst. Eine Rohfassung liefert Material, das sich entdecken und überarbeiten lässt. Schulessen, Figuren, Dialoge und Schauplätze zeigen, wie genaue Aufmerksamkeit eine Geschichte wachsen lässt; Intuition, Neid und das innere Radio zeigen, was um diese Aufmerksamkeit konkurriert. Notizen, Anrufe und vertraute Leser helfen, die Arbeit fortzusetzen. Die letzten Teile wenden sich der eigenen Stimme, dem Geben und den Hoffnungen auf Veröffentlichung zu. Aus Lamotts eigener Schreiberfahrung entstehen Wege, weiterzuarbeiten, solange der Ausgang ungewiss bleibt.

    Der Aufbau des Buches

    1. 01

      Einleitung

      Ein Elternhaus voller Leser, erste Schreibversuche, Veröffentlichung, Verluste und Unterricht bilden den persönlichen Hintergrund der Ratschläge.

    2. 02

      Erster Teil – Schreiben

      Mit einer kleinen Aufgabe und einer Rohfassung beginnen. Erinnerungen führen zu Figuren, Handlung, Dialogen und Schauplätzen; dann stellt sich die Frage, wie man überarbeitet und fertig wird.

    3. 03

      Zweiter Teil – Die innere Haltung beim Schreiben

      Genaue Beobachtung und Überzeugungen konkurrieren mit Selbstüberschätzung, Selbstzweifeln und Neid. Brokkoli und KFKD geben den leisen und lauten Stimmen einprägsame Namen.

    4. 04

      Dritter Teil – Hilfe unterwegs

      Eine Karteikarte bewahrt ein Detail, ein Anruf beantwortet eine Frage. Gruppen und vertraute Leser bringen andere Menschen in die Arbeit. Briefe und neue Eindrücke helfen durch dürre Phasen.

    5. 05

      Vierter Teil – Veröffentlichung und andere Gründe zu schreiben

      Für einen geliebten Menschen schreiben, die eigene Stimme finden und dem Text etwas geben: Diese Themen führen zu der schwierigen Frage, was eine Veröffentlichung tatsächlich leisten kann.

    6. 06

      Fünfter Teil – Die letzte Unterrichtsstunde

      Die letzte Stunde kehrt zur Aufmerksamkeit der Kindheit zurück und zum Schreiben als einer Möglichkeit, Erfahrungen zu bewahren und einen anderen Menschen zu erreichen.

    Vollständiges Inhaltsverzeichnis anzeigen (30 Kapitel)

    Einleitung

    1. 01

      Einleitung

      Lamott erzählt von einem Leben unter Büchern, ersten Schreibversuchen, Veröffentlichung, Trauer und Unterricht. Aus dieser besonderen Lebensgeschichte wachsen ihre Ratschläge.

    Erster Teil – Schreiben

    1. 02

      Anfangen

      Sich hinzusetzen und zu versuchen, die Wahrheit zu erzählen, macht das Schreiben zu einer Arbeit, die in einem gewöhnlichen Tag Platz findet.

    2. 03

      Kleine Schreibaufgaben

      Ein Bilderrahmen von einem Zoll Größe und die Familiengeschichte über einen Bericht über Vögel verkleinern ein überwältigendes Projekt auf das nächste überschaubare Stück.

    3. 04

      Beschissene erste Fassungen

      Ein roher erster Versuch schafft das Material, das bessere zweite und dritte Fassungen brauchen.

    4. 05

      Perfektionismus

      Die Forderung nach einem sofort makellosen Ergebnis kann einen Entwurf verhindern, bevor es überhaupt etwas zu verbessern gibt.

    5. 06

      Mittagessen in der Schule

      Essen, Gerüche und das soziale Miteinander beim Schulessen holen eine Welt voller Kindheitsdetails zurück.

    6. 07

      Polaroids

      Wie ein Polaroid, das sich entwickelt, kann ein Entwurf allmählich sichtbar machen, was man zu erkennen versucht.

    7. 08

      Figuren

      Wünsche, Gewohnheiten, Geheimnisse und Widersprüche treten hervor, wenn man sich Zeit nimmt, die Figuren kennenzulernen.

    8. 09

      Handlung

      Was Figuren wollen und im Umgang miteinander tun, gibt Ereignissen Folgen und lässt eine Handlung entstehen.

    9. 10

      Dialog

      Zuhören und lautes Vorlesen helfen zu prüfen, ob die Worte zu der Person gehören, die sie ausspricht.

    10. 11

      Schauplätze gestalten

      Beobachtung und Recherche liefern Räume, Gärten und Gegenstände, an denen sich ablesen lässt, wie Menschen leben.

    11. 12

      Fehlanfänge

      Ein misslungener Anfang kann eine Annahme sichtbar machen und den Schreibenden dem eigentlichen Gegenstand näherbringen.

    12. 13

      Ein Treatment zur Handlung

      Ein Treatment hilft, die Form des bereits geschriebenen Materials zu erkennen.

    13. 14

      Woher weiß man, wann man fertig ist?

      Nach dem Überarbeiten und dem Einholen von Rückmeldungen muss man selbst entscheiden, wann die weitere Arbeit enden sollte.

    Zweiter Teil – Die innere Haltung beim Schreiben

    1. 15

      Sich umsehen

      Aufmerksamkeit und Respekt helfen, mehr von einem Menschen zu erkennen, als der erste Eindruck zulässt.

    2. 16

      Der moralische Standpunkt

      Was einem am Herzen liegt, gibt dem Text einen Mittelpunkt; es muss im Schreiben lebendig werden.

    3. 17

      Brokkoli

      Die komische Aufforderung, auf den Brokkoli zu hören, schafft Raum für Intuition, wenn der bewusste Kontrollwille zu stark wird.

    4. 18

      Radiosender KFKD

      KFKD sendet Selbstüberschätzung und Selbstverachtung in Stereo und hält Schreibende damit beschäftigt, den eigenen Rang zu beurteilen.

    5. 19

      Neid

      Man kann Neid eingestehen und darüber sprechen; manchmal verliert er durch Humor oder Abstand an Macht.

    Dritter Teil – Hilfe unterwegs

    1. 20

      Karteikarten

      Mit einer gefalteten Karte und einem Stift kann Lamott ein paar Worte festhalten, bevor eine Idee oder Beobachtung verschwindet.

    2. 21

      Herumtelefonieren

      Jemanden zu fragen, der sich auskennt, kann eine Lücke schließen, die sich mit Vorstellungskraft allein nicht füllen lässt.

    3. 22

      Schreibgruppen

      Regelmäßige Begegnungen mit anderen Schreibenden können Rückmeldungen, Gesellschaft und Rückhalt für die weitere Arbeit bieten.

    4. 23

      Jemand, der deine Entwürfe liest

      Vertraute Leser helfen Lamott, ihr Manuskript klarer zu sehen und zu verbessern. Die Verantwortung für das Schreiben bleibt bei ihr.

    5. 24

      Briefe

      Sich an einen wirklichen Menschen zu wenden, kann den Text lockern und Erinnerungen oder Gefühle wieder zugänglich machen.

    6. 25

      Schreibblockade

      Wer eine Phase geringer Produktivität annimmt, schafft die Möglichkeit, wieder neue Kraft und Eindrücke zu sammeln.

    Vierter Teil – Veröffentlichung und andere Gründe zu schreiben

    1. 26

      Ein Geschenk schreiben

      Ein Text kann etwas für einen geliebten Menschen bewahren, noch bevor er ein öffentliches Leben hat.

    2. 27

      Die eigene Stimme finden

      Nachahmung kann etwas lehren, doch die Wahrheit der eigenen Erfahrung braucht eine eigene Stimme.

    3. 28

      Geben

      Das beste Material gehört in die Arbeit, die gerade ansteht. Ihr etwas zu geben muss auch in sich selbst einen Lohn tragen.

    4. 29

      Veröffentlichung

      Rezensionen, Aufmerksamkeit und ein neues Projekt zeigen die Grenzen der Hoffnung, Veröffentlichung werde die Selbstzweifel beenden.

    Fünfter Teil – Die letzte Unterrichtsstunde

    1. 30

      Die letzte Unterrichtsstunde

      Kindliche Aufmerksamkeit, genaue Beobachtung und das Weiterschreiben führen das Buch hin zur Verbindung mit anderen Menschen.

    Sätze, die mit an den Schreibtisch dürfen

    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischIt reminds me that all I have to do is to write down as much as I can see through a one-inch picture frame.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Er erinnert mich daran, dass ich nur so viel aufschreiben muss, wie ich durch einen Bilderrahmen von einem Zoll Größe sehen kann.

      03Kleine Schreibaufgaben
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischAll good writers write them.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Alle guten Schriftsteller schreiben sie.

      04Beschissene erste Fassungen
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischPerfectionism is the voice of the oppressor, the enemy of the people.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Perfektionismus ist die Stimme des Unterdrückers, der Feind des Volkes.

      05Perfektionismus
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischWriting a first draft is very much like watching a Polaroid develop.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Eine erste Fassung zu schreiben ist, als würde man einem Polaroid dabei zusehen, wie es sich entwickelt.

      07Polaroids
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischKnowledge of your characters also emerges the way a Polaroid develops: it takes time for you to know them.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Auch das Wissen über deine Figuren entsteht wie ein Polaroid, das sich entwickelt: Es braucht Zeit, sie kennenzulernen.

      08Figuren
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischPlot grows out of character.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Die Handlung wächst aus den Figuren.

      09Handlung
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischDialogue is the way to nail character, so you have to work on getting the voice right.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Im Dialog lassen sich Figuren genau treffen, also musst du daran arbeiten, ihre Stimme richtig hinzubekommen.

      10Dialog
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischOf course, there will always be more you could do, but you have to remind yourself that perfectionism is the voice of the oppressor.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Natürlich könntest du immer noch mehr tun, aber du musst dich daran erinnern, dass Perfektionismus die Stimme des Unterdrückers ist.

      14Woher weiß man, wann man fertig ist?
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischWriting is about learning to pay attention and to communicate what is going on.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Beim Schreiben geht es darum, aufmerksam zu werden und mitzuteilen, was vor sich geht.

      15Sich umsehen
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischListen to your broccoli.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Hör auf deinen Brokkoli.

      17Brokkoli
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischIf you are not careful, station KFKD will play in your head twenty-four hours a day, nonstop, in stereo.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Wenn du nicht aufpasst, läuft der Sender KFKD in deinem Kopf vierundzwanzig Stunden am Tag, pausenlos und in Stereo.

      18Radiosender KFKD
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischJealousy is such a direct attack on whatever measure of confidence you’ve been able to muster.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Neid ist ein so unmittelbarer Angriff auf das Selbstvertrauen, das du aufbringen konntest.

      19Neid
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischI fold an index card lengthwise in half, stick it in my back pocket along with a pen

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Ich falte eine Karteikarte der Länge nach in der Mitte und stecke sie zusammen mit einem Stift in meine Gesäßtasche

      20Karteikarten
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischTheoretically I could do it alone, but it sure makes it easier to have people helping.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Theoretisch könnte ich es allein tun, aber es macht es ganz bestimmt leichter, wenn Menschen dabei helfen.

      23Jemand, der deine Entwürfe liest
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischBut if you accept the reality that you have been given—that you are not in a productive creative period—you free yourself to begin filling up again.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Aber wenn du die Wirklichkeit annimmst, die dir gegeben ist – dass du gerade keine produktive kreative Phase erlebst –, machst du dich frei, dich wieder zu füllen.

      25Schreibblockade
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischPublication is not going to change your life or solve your problems.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Eine Veröffentlichung wird dein Leben nicht verändern und deine Probleme nicht lösen.

      26Ein Geschenk schreiben
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischYou cannot write out of someone else’s big dark place; you can only write out of your own.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Du kannst nicht aus dem großen, dunklen Raum eines anderen schreiben; du kannst nur aus deinem eigenen schreiben.

      27Die eigene Stimme finden
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischYou are going to have to give and give and give, or there’s no reason for you to be writing.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Du wirst geben und geben und geben müssen, sonst gibt es keinen Grund für dich zu schreiben.

      28Geben
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischWhat I know now is that you have to wear out all that dread by writing long and hard and not stopping too often to admire yourself and your publishedness in the mirror.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Heute weiß ich, dass man all diese Angst durch langes, hartes Schreiben zermürben muss, ohne allzu oft innezuhalten, um sich im Spiegel als veröffentlichter Autor zu bewundern.

      29Veröffentlichung
    • Text der verwendeten Ausgabe · EnglischYou simply keep putting down one damn word after the other, as you hear them, as they come to you.

      Übersetzung von Muses · Deutsch (Deutschland)Du schreibst einfach weiter ein verdammtes Wort nach dem anderen auf, so, wie du sie hörst, wie sie dir kommen.

      30Die letzte Unterrichtsstunde
    Vertiefung weiterlesenGesamte Lesezeit: ca. 11 Min.
    Inhaltsverzeichnis

    Noch bevor der erste Satz dasteht, kann man sich schon um Rezensionen, Verkaufszahlen, das Ende und die Frage sorgen, ob dieses Buch überhaupt geschrieben werden sollte. Anne Lamott bringt die Arbeit wieder in Reichweite. In Bird by Bird können ein kleiner Bilderrahmen, eine wenig verheißungsvolle Rohfassung und ein gewöhnliches Mittagessen in der Schule jeweils einen Anfang ermöglichen.

    Das Buch reicht weit über diesen Anfang hinaus. Es folgt dem Material zu Figuren und Dialogen und wendet sich dann dem Neid, vertrauten Lesern, der Erschöpfung und den Hoffnungen auf Veröffentlichung zu. Lamotts Erzählung vom eigenen Schreiben gibt diesen Themen einen gemeinsamen Schauplatz: einen Menschen, der zu arbeiten versucht, während das übrige Leben weitergeht. Am überzeugendsten ist ihr Rat, wenn er nahe an den Gegenständen, Gewohnheiten und Peinlichkeiten dieser Arbeit bleibt.

    Der Bilderrahmen von einem Zoll

    Auf Lamotts Schreibtisch steht ein kleiner Bilderrahmen von einem Zoll Größe. Wenn ihr Blick darauf fällt, schrumpft die Aufgabe auf das, was sie durch diese kleine Öffnung sehen kann:

    Er erinnert mich daran, dass ich nur so viel aufschreiben muss, wie ich durch einen Bilderrahmen von einem Zoll Größe sehen kann.

    Die Größe ist entscheidend. Ein ganzer Roman bringt alle ungeschriebenen Szenen, ungeklärten Beziehungen und das ungewisse Ende auf einmal mit an den Schreibtisch. Der Rahmen erlaubt Lamott, sich einem kleinen Teil zuzuwenden. Der Rest des Buches kann warten, während sie das schreibt, was jetzt sichtbar ist.

    Die Familiengeschichte hinter dem Buchtitel verschiebt den Maßstab auf dieselbe Weise: Aus einem überwältigenden Bericht über Vögel wird eine Aufgabe, die sich Vogel für Vogel angehen lässt. Lamott gibt den Lesern ein Bild, zu dem sie zurückkehren können, wenn das Projekt über das heute Leistbare hinauswächst. Das bleibt besser im Gedächtnis als die Aufforderung, eine große Aufgabe effizient zu bewältigen.

    Der Rahmen hat allerdings Grenzen. Auch viele kleine Schreibaufgaben verlangen irgendwann Entscheidungen über Reihenfolge, Gewichtung und Verbindungen. Sein unmittelbarer Nutzen ist schlichter: Er verringert den Teil des Buches, den man im Kopf behalten muss, bevor man einen Satz schreiben kann. Die ersten Kapitel schaffen Raum für eine Arbeit, deren endgültige Form noch unklar ist.

    Quellenhinweis: „Einleitung“, „Anfangen“ und „Kleine Schreibaufgaben“. Der Bilderrahmen und der Bericht über Vögel stammen aus „Kleine Schreibaufgaben“. Die Unterscheidung zwischen dem Anfangen eines Abschnitts und dem Ordnen eines ganzen Buches ist eine redaktionelle Einordnung der Reichweite dieser Ratschläge.

    Eine Rohfassung gibt etwas zu entdecken

    Schon der Titel „Beschissene erste Fassungen“ leistet einen Teil der Arbeit, bevor das Kapitel beginnt. Wer erwartet, dass eine versierte Autorin von mühelosen ersten Versuchen erzählt, bekommt einen weit weniger schmeichelhaften Bericht. Der Entwurf darf unbeholfen sein. Er darf den falschen Einstieg wählen. Spätere Fassungen haben etwas zu verbessern, weil der erste Versuch überhaupt entstehen durfte.

    Das ist ein hilfreicher Rat für alle, die immer wieder zum ersten Absatz zurückkehren. Jede Überarbeitung mag diesen Absatz verbessern und zugleich die Szene dahinter weiter aufschieben. Lamotts Erlaubnis, schlecht zu schreiben, schafft Raum für Material, dessen Entdeckung die Forderung nach sofortigem Feinschliff verhindert hätte.

    Ihr Polaroid-Vergleich erklärt, was als Nächstes geschehen kann:

    Eine erste Fassung zu schreiben ist, als würde man einem Polaroid dabei zusehen, wie es sich entwickelt.

    Ein Bild braucht Zeit, bis es erkennbar wird. So kann es auch dem Gegenstand eines Entwurfs gehen. Eine Beziehung erweist sich vielleicht als wichtiger als der Vorfall, der zunächst zum Schreiben gereizt hat; eine Szene, die nur etwas vorbereiten sollte, wird womöglich zum eigentlichen Kern. Der Vergleich eröffnet solche Möglichkeiten. Lamott verlangt damit nicht, dass jedes Manuskript denselben Verlauf nehmen müsse.

    Die Kapitel über Fehlanfänge, das Treatment und das Fertigwerden tragen diese Geduld in die Überarbeitung hinein. Ein verworfener Einstieg kann eine falsche Annahme aufdecken. Ein Treatment kann helfen, das inzwischen vorhandene Material zu ordnen. Irgendwann muss man entscheiden, welche Änderungen dem Text noch dienen und wann es Zeit ist, ihn loszulassen. Eine Rohfassung zuzulassen macht Überarbeitung erst möglich; zu tun bleibt ihr noch genug.

    Wer daran praktisch anknüpfen möchte, findet weitere Anregungen unter mit einer Rohfassung weiterarbeiten (auf Englisch). Lamotts unmittelbarer Beitrag liegt darin, die Bereitschaft zu wecken, die Seiten überhaupt zu schreiben, die man dafür braucht.

    Quellenhinweis: „Beschissene erste Fassungen“, „Perfektionismus“, „Polaroids“, „Fehlanfänge“, „Ein Treatment zur Handlung“ und „Woher weiß man, wann man fertig ist?“. Die Möglichkeiten nach dem Polaroid-Zitat führen den Vergleich weiter; sie sind keine zusätzlichen Anekdoten aus dem Buch.

    Schulessen, Figuren und die Form einer Geschichte

    Ein Mittagessen in der Schule wirkt wie ein bescheidener Stoff für einen Schreibkurs. Doch Essen, Verpackungen, Gerüche und das soziale Miteinander an einem Tisch können die Welt eines Kindes zurückbringen. In „Mittagessen in der Schule“ erschließt eine gewöhnliche Erinnerung Details, die eine allgemeine Aussage über Kindheit übergehen würde.

    Diese Aufmerksamkeit setzt sich in den Kapiteln über Figuren fort. Lamott verlangt Zeit mit den Menschen einer Geschichte: mit ihren Wünschen, privaten Anliegen, Gewohnheiten und Widersprüchen. Eine erste Beschreibung kann das nicht alles leisten. Figuren werden verständlicher, wenn man sieht, was sie tun und wie sie aufeinander wirken.

    So wird auch ihre Vorliebe für eine Handlung verständlich, die aus den Figuren wächst. Sobald Menschen etwas voneinander wollen, können ihre Handlungen Folgen haben, denen man beim Schreiben nachgehen muss. Dialoge bieten eine weitere Möglichkeit zu prüfen, wie gut man die Figuren kennt. Lautes Vorlesen kann einen Satz entlarven, in dem die Autorin die Szene erklärt, statt einen Menschen darin sprechen zu lassen. Auch Räume und Gegenstände zählen: Der Schauplatz gibt diesen Menschen einen bestimmten Ort zum Leben und Handeln.

    Lamott kann besonders gut die Neugier in einen Entwurf zurückholen, der nur noch dazu dient, Vorgaben abzuarbeiten. Wer eine komplizierte Struktur im Voraus aufeinander abstimmen muss, hat mit ihrem Ansatz noch mehr selbst zu leisten. Die spätere Erörterung des Treatments hilft, vorhandenes Material zu verstehen. Das Buch leitet jedoch ausführlicher dazu an, dieses Material zu entdecken, als einen vielschichtigen Roman von Anfang an durchzuplanen. Seine genaue Aufmerksamkeit für Menschen und Details lässt sich durchaus mit einer Gliederung verbinden.

    Darin liegt die fruchtbare Spannung. Ein Plan kann ein großes Projekt zusammenhalten. Die entstehenden Seiten können zugleich einen Grund liefern, ihn zu ändern.

    Quellenhinweis: „Mittagessen in der Schule“, „Polaroids“, „Figuren“, „Handlung“, „Dialog“, „Schauplätze gestalten“ und „Ein Treatment zur Handlung“. Die Einschätzung, was dieser Ansatz vorausschauend planenden Schreibenden bietet, ist ein redaktionelles Urteil.

    Brokkoli und das innere Radio

    Lamott nähert sich der Intuition mit einer unerwarteten Aufforderung:

    Hör auf deinen Brokkoli.

    Gerade das Seltsame daran hilft. „Brokkoli“ lädt dazu ein, auf einen leiseren Richtungssinn zu hören, wenn das bewusste Bemühen zu aufdringlich geworden ist. Das Kapitel steht in einem Teil des Buches, in dem es um genaues Hinsehen, das Erkennen dessen, was zählt, und den Umgang mit dem Lärm geht, der um unsere Aufmerksamkeit konkurriert.

    KFKD ist die lauteste Form dieses Lärms. Auf der einen Seite feiert das Programm die außergewöhnliche Bedeutung des Schreibenden; auf der anderen kreist es um Versagen und Unzulänglichkeit. Beides kann einen Nachmittag verschlingen, der eigentlich dem Manuskript gehören sollte. Der Witz erfasst, wie dicht Selbstbewunderung und Selbstekel beieinanderliegen können.

    Neid holt einen anderen Autor ins Zimmer, ohne dass er dort sein muss. Der Erfolg eines anderen lässt einen nicht mehr los. Lamott behandelt Neid als einen vertrauten, unangenehmen Bestandteil des Schreibens. Ihn einzugestehen, mit anderen darüber zu sprechen, etwas Humor zu finden und manchmal Abstand zu nehmen, kann seinen Einfluss mindern.

    Die benachbarten Kapitel halten diese Überlegungen mit dem Schreiben selbst verbunden. „Sich umsehen“ fordert Aufmerksamkeit für andere Menschen. „Der moralische Standpunkt“ fragt, was einem so sehr am Herzen liegt, dass es in den Text gehört. Zusammengenommen lassen die Kapitel erkennen, was das innere Radioprogramm kostet: Wer damit beschäftigt ist, bewundert oder für unzulänglich gehalten zu werden, hat weniger Aufmerksamkeit für andere übrig.

    Quellenhinweis: „Sich umsehen“, „Der moralische Standpunkt“, „Brokkoli“, „Radiosender KFKD“ und „Neid“. Die abschließende Verbindung zwischen Selbstbezogenheit und Aufmerksamkeit für andere ergibt sich aus der gemeinsamen Lektüre dieser Kapitel in diesem Artikel.

    Die Menschen, die beim einsamen Schreiben helfen

    Eine Karteikarte passt in eine Hosentasche. Lamott beschreibt, wie sie eine Karte faltet und mit einem Stift in der Gesäßtasche mitnimmt, damit sie ein paar Worte festhalten kann, sobald eine Idee oder etwas Erinnernswertes auftaucht. Diese Gewohnheit trägt dem Umstand Rechnung, wie leicht ein Detail verschwunden ist, bevor man wieder am Schreibtisch sitzt.

    Der übrige Teil „Hilfe unterwegs“ erweitert diese praktische Unterstützung. Ein Anruf kann eine Sachfrage klären. Eine Gruppe kann Gesellschaft und regelmäßige Begegnungen mit der Arbeit anderer bieten. Wer einen Brief schreibt, gibt dem Text einen Adressaten. Jede dieser Möglichkeiten verändert eine andere Bedingung, unter der die nächste Seite entsteht.

    Wer als vertrauter Leser einen Entwurf liest, hat eine besonders heikle Aufgabe. Lamott erzählt, dass sie ihre Arbeit einem von zwei Menschen zeigt, bevor sie sie ihrem Lektor oder Agenten schickt. Deren Beteiligung gibt ihr mehr Sicherheit und Verbundenheit und hilft ihr, bessere Arbeit aufs Papier zu bringen. Schreiben muss sie weiterhin selbst.

    Diese Aufgabenteilung sollte klar bleiben. Ein Leser kann berichten, an welcher Stelle er den Faden verliert oder wann ihm das Handeln einer Figur unglaubwürdig wird. Wie darauf zu reagieren ist, muss die Autorin entscheiden. Hilfreiche Rückmeldungen eröffnen eine weitere Sicht auf das Manuskript, ohne jeden Vorschlag zur Anweisung zu machen.

    Es gibt auch Phasen, in denen mehr Druck wenig bringt. „Schreibblockade“ lässt Raum für Erschöpfung und die Notwendigkeit, sich wieder zu füllen. Neben den Kapiteln über Notizen, Anrufe, Gruppen und Leser erweitert es das Bild eines Schreibtages: Ein Teil dessen, was die Arbeit trägt, geschieht abseits des Satzes, an dem man gerade sitzt.

    Quellenhinweis: „Karteikarten“, „Herumtelefonieren“, „Schreibgruppen“, „Jemand, der deine Entwürfe liest“, „Briefe“ und „Schreibblockade“. Die Überlegungen zum Umgang mit Rückmeldungen sind redaktionelle Interpretation; die zwei vertrauten Leser stammen aus „Jemand, der deine Entwürfe liest“.

    Eine Stimme lässt sich nicht als Ganzes ausleihen

    Einen anderen Autor nachzuahmen kann einen Rhythmus vermitteln oder eine Erzählweise erschließen. In „Die eigene Stimme finden“ lässt Lamott diese Anleihen zu und drängt dann auf die Schwierigkeit, die sie nicht lösen können:

    Du kannst nicht aus dem großen, dunklen Raum eines anderen schreiben; du kannst nur aus deinem eigenen schreiben.

    Der vorausgehende Zusammenhang verbindet die Wahrheit der Erfahrung mit der eigenen Stimme. Entlehnte Formulierungen werden zum Problem, wenn sie die Leser von dem fernhalten, was gerade dieser Mensch zu sagen hat. Ein wiedererkennbarer Stil kann verdecken, dass eine genaue Beobachtung fehlt.

    Die Kapitel rund um „Die eigene Stimme finden“ bringen einen anderen Menschen ins Spiel, wenn es um den Sinn des Schreibens geht. Ein Text kann ein Geschenk sein: etwas, das eine Erfahrung bewahrt oder einem geliebten Menschen gegeben wird. „Geben“ fordert dazu auf, das beste Material in die gerade anstehende Arbeit einzubringen. So wird die eigene Stimme zu mehr als einer Frage des Satzklangs. Der Satz bekommt etwas, und jemanden, dem er gerecht werden muss.

    Für Leser, die von bewunderten Autoren lernen wollen, ist diese Unterscheidung anspruchsvoll. Zu untersuchen, wie ein Satz funktioniert, kann das verfügbare Handwerkszeug verbessern. Zu entscheiden, was zu sagen lohnt und wie ehrlich man es sagt, bleibt die eigene Aufgabe.

    Quellenhinweis: „Ein Geschenk schreiben“, „Die eigene Stimme finden“ und „Geben“. Das Zitat stammt aus „Die eigene Stimme finden“. Die Unterscheidung zwischen dem Erlernen des Satzhandwerks und der Entscheidung darüber, was man sagen will, ist redaktionelle Interpretation.

    Was eine Veröffentlichung offenlässt

    Eine Veröffentlichung kann Leser und berufliche Möglichkeiten bringen. Lamott beschäftigt sich mit den viel größeren Hoffnungen, die man daran knüpfen kann: dauerhaftem Selbstvertrauen, Zugehörigkeit, Erleichterung angesichts der Ungewissheit. Das Kapitel über Veröffentlichung verfolgt, wie verletzlich Erfolg machen kann: Rezensionen erscheinen oder bleiben aus, und schließlich kehrt man zu einem weiteren Projekt mit ungewissem Ausgang zurück.

    Ihre Ungeduld mit diesen Hoffnungen ist wohltuend ernüchternd. Man kann sie allerdings auch zu weit treiben. Schreibende haben handfeste Gründe, sich für Verträge, Einkommen und Leserschaft zu interessieren. Dieses Buch hilft eher beim Umgang mit der emotionalen Last, die man einer Veröffentlichung aufbürdet, als bei den praktischen Fragen einer beruflichen Laufbahn. Um seinen Nutzen zu erkennen, muss man nicht so tun, als seien diese Fragen unwichtig.

    „Ein Geschenk schreiben“ und „Geben“ liefern Gründe zu schreiben, die schon tragen können, solange eine Veröffentlichung noch ungewiss ist. Ein Text kann eine Erfahrung für einen anderen Menschen bewahren. Er kann etwas aussprechen, das sonst ungesagt bliebe. In „Die letzte Unterrichtsstunde“ kehrt die Aufmerksamkeit zur Kindheit zurück und zu den Einzelheiten, die die Welt damals so lebendig machten. Damit gelangt das Buch wieder zum genauen Wahrnehmen: genau genug, um etwas zum Schreiben zu haben.

    Wähle für die nächste Sitzung einen kleinen Teil des Manuskripts, den du tatsächlich vor dir sehen kannst. Schreib so weit daran, bis du etwas über ihn entdeckst. Ein unbeholfener Satz darf unbeholfen bleiben, bis mehr um ihn herumsteht, das sich überarbeiten lässt. Das ist die Übung, die diese Lektüre anbietet: eine kleine Rückkehr zum Schreiben, mit Platz für die nächste Fassung.

    Der Rest des Buches ist morgen immer noch da. Heute liegt ein Stück davon auf dem Schreibtisch.

    Quellenhinweis: „Ein Geschenk schreiben“, „Geben“, „Veröffentlichung“ und „Die letzte Unterrichtsstunde“. Die abschließende Übung greift außerdem auf „Kleine Schreibaufgaben“ und „Beschissene erste Fassungen“ zurück. Die Einschätzung zum Nutzen des Buches für berufliche Fragen und die Schlussübung sind redaktionelle Beiträge.


    Zu dieser Lektüre: Die Kapitelbezeichnungen und Zitate richten sich nach dem englischen Text, der dem E-Book von 2007 zugrunde liegt, eISBN 9780307424983. Dieser Text nennt die erste Anchor-Books-Ausgabe vom Oktober 1995; erstmals erschien das Werk 1994 bei Pantheon Books. Die sieben Abschnitte oben geben Muses’ Lektüre des Buches wieder. Den vollständigen Überblick mit dreißig Lesestationen enthält die Schnellübersicht.

    Die deutschen Kapitelüberschriften und zitierten Passagen wurden von Muses aus dem Englischen übersetzt und stammen nicht aus einer veröffentlichten deutschen Buchübersetzung.